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1995 - Der Fall Jaswant Singh Khalra

1995 wird Bankdirektor und Menschenrechtsaktivist Jaswant Singh Khalra von der Punjab Polizei wegen seinen Nachforschungen an der Aufdeckung von tausenden vermissten Sikhs, aussergerichtlichen Hinrichtungen und geheimen Einäscherungen entführt, gefoltert und ermordet. ENSAAF berichtete über den Fall ausführlich. Zehn Jahre vergingen, bis den Mördern Khalra's der Prozess gemacht wird. Im Jahr 2005 konnten durch ENSAAF in Zusammenarbeit mit privaten Anwälten einige der Verantwortlichen vor Gericht gebracht werden. Ensaaf, Human Rights Watch (HRW), REDRESS und das Center of Human Rights und Global Justice schlossen sich zusammen, um beim Central Bureau of Investigation (CBI) einen Antrag auf Untersuchung und Verurteilung des früheren Polizei Chefs KPS Gill wegen seiner massgeblichen Anordnung und Beteiligung in Khalra's Entführung, Folterung und Ermordung zu erwirken. Weiterhin unterstützte Ensaaf Paramjit Kaur, die Witwe Khalra's, bei der Erstellung eines Entwurfs für völkerrechtliche Diskussionen übergeordneter Verantwortung in einer Petition, die an das Höchste Gericht gestellt wurde, um KPS Gill wegen seiner Rolle in den Straftaten gegen Khalra zu verhören und zu verurteilen. Die Petition wurde am 6. September 2006 gestellt. Sechs Polizei Offiziere wurden verurteilt. 2007 hielt das Höchste Gericht im Punjab und Haryana fünf der Urteile weiterhin aufrecht und verlängerte die Strafen offiziell auf lebenslange Haft.

Im Herbst 2007 veröffentlichen Ensaaf und HRW (Human Rights Watch) einen gemeinsamen Bericht mit Video Quellen: "Eine Politik der Straflosigkeit im Punjab, Indien". Neben weiteren Fällen erörtert der Bericht Khalra's Mordfall und zeigt die zahlreichen Hindernisse auf, mit denen die Familien der Opfer konfrontiert wurden. Jaswant Singh Khalra war Bankdirektor in der Stadt Amritsar, zu einer Zeit, wo der Unruhezustand im Punjab herrschte. Nach Operation Blue Star, der Ermordung von Indira Gandhi und den Anti-Sikh Massnahmen von 1984 wurde die Polizei dazu ermächtigt, Verdächtige ohne Beweisschuld auf Verdacht festzunehmen, dazu wurden 1985 die sogenannten TADA Gesetze eingeführt. Die indische Strafkammer (SC division bench) zitierte in ihrem Urteil von Khalra's Todesfall die Untersuchungsergebnisse der CBI, in denen er als ein Menschenrechtsaktivist, der sich mit Entführungen unbekannter Sikhs während der Unruhephasen im Punjab beschäftigte. Das Gericht stellte fest, dass die Polizei junge Sikhs unter dem Vorwand Militante zu sein, eliminierte und ihre Leichname ohne Vermerk entsorgte. Während Jaswant Singh Khalra nach einigen vermissten Kollegen suchte, entdeckte er Dokumente der Stadtverwaltung Amritsar, die Namen, Alter und Adressen der Personen, die getötet und verbrannt worden. Khalras Nachforschungen deckten Fälle in weiteren Distrikten im Punjab auf, wodurch die Zahlen in die abertausende gingen. National Human Rights Commission veröffentlichte eine Liste mit einigen der identifizierten Leichnamen, die von der Polizei in den Distrikten Amritsar, Majitha und Tarn Taran von Juni 1984 bis Dezember 1994 heimlich kremiert worden sind. Am 6. September 1995 wird Jaswant Singh Khalra, während er sein Auto vor seinem Haus wäscht, von Mitarbeitern der Punjab Polizei entführt und zur Jhabal Polizei Station gebracht. Die involvierten Polizisten leugneten zunächst Jaswant Singh Khalra jemals inhaftiert zu haben. 1996 fand das Central Bureau of Investigation Beweise dafür, dass Khalra in der Polizei Station in Tarn Taran festgehalten wurde und empfahl die Verurteilung von neun Polizei Angestellten wegen Entführung und Mordes. Einer der Polizisten in der Folterung Khalras begeht 1997 Selbstmord. Am 18. November 2005 werden sechs Polizei Angestellte verurteilt. Ihnen wird eine Gefängnisstrafe von zehn Jahren Haft für die Entführung und für den Mord an Khalra auferlegt. Ein Polizei Angestellter sagte aus, dass Jaswant Singh Khalra gefoltert, erschossen und in einen Fluss geworfen wurde. Auf einer Liste mit Fotos, die als Khalra Collection bekannt ist, sind tausende von Sikhs zu sehen, die in sogenannten Fake Encounter, in falschen Anklagen getötet wurden.

ENSAAF arbeitet bis heute an der Dokumentation von Vermisstenfällen. Videos, Literaturempfehlungen und Berichte finden Sie auf der Seite von Ensaaf.org

Punjab Disappeared - Denied but not forgotten. The untold story of the Missing in Punjab.
Punjabdisappeared.org

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